ES IST DOCH EIN MEISTER VOM HIMMEL GEFALLEN!
- Claudia Hahl

- 5. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
(AUS-)WIRKUNGEN DER ALLGEMEINEN MENSCHENKUNDE RUDOLF STEINERS

Am Montag, 12. Oktober 2026 beginnt das neue Studienjahr des Online-Seminars „Grundlagen der anthroposophischen Pädagogik“ mit Antje Bek und Dr. Christoph Hueck. Claudia Hahl beschreibt, wie das Studium der Texte Rudolf Steiners sowie das Besprechen pädagogischer Fragestellungen vieles in ihrem Leben veränderte.
Als Mutter zweier Kinder bin ich Teilnehmerin des Online-Kurses „Grundlagen der anthroposophischen Pädagogik" (1) unter Leitung von Antje Bek und Dr. Christoph Hueck. In angebotenen Präsenzseminaren können die Teilnehmer ergänzend zu den Online-Abenden das Gelernte in Gemeinschaft erleben und anschaulich, lebendig in der Praxis vertiefen.
Seit dieser Zeit hat sich mein Menschen- und Weltenbild geändert, denn mit jedem Kapitel aus Dr. Rudolf Steiners „Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik" (2) durfte ich in mir sowohl eine große Achtung vor dem Beruf eines Waldorflehrers erleben als auch eine Veränderung und Erweiterung meines seelischen Erlebens bei der Erarbeitung einzelner Kapitel.
Stellvertretend für das Gesamtwerk möchte ich hier ausgewählte Aspekte anführen sowie erwähnen, dass es mich sofort nach Erarbeitung des ersten Kapitels „gepackt“ hat und meine Empfindungen, Gefühle und Gedanken wiedergeben:
Geistige und physische Welt
Rudolf Steiner erläutert hier angehenden Lehrerkollegen am 21. August 1919 die Notwendigkeit der Gründung der Waldorfschule, indem er ihre Arbeit nicht ausschließlich auf dem physischen Plan verortet, sondern sie in den Zusammenhang stellt mit den geistigen Mächten. Eine Schulgründung, die Waldorfschule, die von Rudolf Steiner als ein „Festesakt der Weltenordnung" (3) beschrieben wird. Was für eine Aussage!
An dieser Stelle wurde mir bereits klar, dass mich in diesem Werk wesentliche „Geistes-Augen“-öffnende Erkenntnisse erwarten werden und das war definitiv der Fall.
Begriffsklärung
Tief beeindruckt hat mich auch, dass ich über das gemeinsame Studieren der Allgemeinen Menschenkunde erfahren habe, welche Bedeutungen spezifische Begriffe in sich tragen, zum Beispiel was bedeutet „eine Vorstellung“, was bedeutet „der Wille“, was beinhaltet „der Instinkt“, „der Trieb“, „das Begehren“ und wie lassen sich diese Begriffe voneinander abgrenzen? Wie werden sie wieder in einen Zusammenhang gebracht? Wie sehr unterscheidet sich die ihnen innewohnende Idee von dem, was ich bislang gedacht habe, was zum Beispiel eine Vorstellung sei oder was es bedeutet, seinen Willen auszurichten.
Pädagogische Aufgaben
Die praktische Umsetzung dessen mündet z.B. in der Frage: Was kann ich als Erzieher tun, um den Willen des Kindes in einem bestimmten Alter zu stärken?
Meine Aufgabe als Pädagoge ist es, zu erkennen, was genau dieses Kind in diesem Moment braucht. Voraussetzung dafür ist, dass ich mich vorher selbst bestmöglich erkannt habe, dass ich mich in Bewusstheit verhalte und zunehmend reflektiere, warum ich was, wann tue oder auch unterlasse. Dies ist für mich als ein Ideal zu verstehen, aber ein Ideal kann ich im Bewusstsein haben als eine innere Quelle der Kraft.
Selbsterziehung als Voraussetzung für Erziehung
Rudolf Steiner betonte, dass es essentiell ist, dass die Lehrer zunächst sich selbst erziehen, bevor sie die Kinder erziehen. Wie kann ich dies verstehen?
In diesem Zusammenhang durften wir u.a. die vier Temperamente und deren charakteristische Beschreibungen näher kennenlernen. Wie wesentlich ist es für den Lehrer zu durchdringen, welchem der vier (cholerisch, sanguinisch, phlegmatisch, melancholisch) er sich selbst am ehesten angehörig sieht. Wie kann ich meinen Nächsten besser verstehen, wenn ich eine Ahnung davon habe, welches Temperament sowohl bei mir als auch bei ihm das Wesentliche zu sein scheint? Es kann mir zum Beispiel viel leichter fallen, bestimmte Verhaltensweisen nicht persönlich zu nehmen. Denn: Wenn ich den Menschen, also auch das Kind, verstehen möchte, muss ich wissen, wer und was das Menschenwesen ist.
Vom Himmel auf die Erde Bringen
Wenn unsere Gesellschaft gesunden soll, dann ist es jetzt mehr als an der Zeit, die Waldorfpädagogik vom Himmel auf die Erde zu bringen, Rudolf Steiner hat sie den Menschen geschenkt. „…, ehe uns die Zukunft rettet, müssen wir die Zukunft sein!“, schrieb Marie-Luise Kaschnitz in einem Gedicht in einem ca. im Jahre 1965 veröffentlichtem Band.
Und weit über die Pädagogik hinaus sind die gesellschaftlichen Ideen von Dr. Rudolf Steiner zur Heilung des Organismus zu sehen, zum Beispiel in der anthroposophischen Medizin, in einer Landwirtschaft, in einer sozialen Wissenschaft auf Basis einer Anthroposophie, einer gelebten Weisheit vom Menschen, die den Menschen mit Sinn belebt und begeistert.
Anmerkungen
2 Rudolf Steiner, Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik, GA 293, Dornach 1992
3 ebd., S. 18
Claudia Hahl ist Mutter zweier Kinder und Teilnehmerin des Online- und Präsenzseminars „Grundlagen der anthroposophischen Pädagogik.
Dieser Beitrag erschien im Heft 08/26 der Zeitschrift erWACHSEN&WERDEN

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