KI und die Unterrichtsvorbereitung
- Antje Bek

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Texte mit Hilfe der KI erstellen?

Editorial erWACHSEN&WERDEN 08/26
Liebe Leserinnen und Leser,
KI ist in aller Munde, mal euphorisch, mal sehr kritisch. Auch in unserer Zeitschrift gab es zu diesem Thema bereits verschiedene Beiträge.1
Von einem Erlebnis in diesem Zusammenhang möchte ich berichten, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Es geht um das Benutzen von KI im Zusammenhang mit Unterricht. KI ist meiner Erfahrung nach in vielen Fällen tatsächlich praktisch, auch wenn ich kritisch darauf blicke, und ich nutze sie auch.
Schließlich kam der Tag, an dem ich einen Text formulieren wollte, den die Schüler (6./7. Klasse) am nächsten Tag in ihr Epochenheft diktiert bekommen sollten. Es ging um die Zusammenfassung des über mehrere Tage Erarbeiteten. KI ist eben praktisch, heißt, sie kann uns Arbeit abnehmen. Ich wollte mir von ihr Arbeit abnehmen lassen, gab ein, für welche Klassenstufe ich einen Text benötige, dann noch ein paar Stichworte den Inhalt betreffend und ließ mir einen Vorschlag machen. So ganz passte der mir noch nicht und ich nahm kleinere Korrekturen vor.
Am nächsten Tag diktierte ich ihn völlig selbstverständlich den Schülern, ohne weiter über seine Entstehung nachzudenken. Ich hatte schließlich auch das Gefühl, dass das doch ganz mein Text sei. Nach Beendigung der Stunde, auf dem Gang in die Pause, kam einer der sehr wachen Schüler kurz bei mir vorbei und sagte – mehr oder weniger im Vorübergehen: „Der Text heute war aber komisch, nicht?“ Das machte mich gleich wach und beschäftigte mich später noch länger. Ich fragte mich, was der Schüler denn da wohl wahrgenommen hatte, denn ich konnte mich doch mit dem diktierten Text gut identifizieren. Ich hatte schnell den Eindruck, er hatte irgendwie bemerkt, dass der Text nicht von mir war. Aber warum „komisch“? Ich fragte ihn danach und er meinte, da wären so komische Wörter drin vorgekommen. Ich fand im Grunde keine komischen Wörter darin, denn das war schließlich ein Text, dessen inhaltliche Vorgaben von mir stammten, der auf die Altersstufe abgestimmt war und den ich noch überarbeitet hatte. Aber ich spürte doch sehr deutlich, dass ein Text ganz anders ist, eine ganz andere „Ausstrahlung“ hat, wenn ich selbst ihn mit meiner eigenen Willenskraft formuliert hatte, als wenn ich mir diesen „Aufwand“ erspare.
Und diese innere Tätigkeit, diese Anstrengung, das scheint sich mir den Schülern über die „unterirdischen Leitungen“, von denen Rudolf Steiner häufiger spricht, mitzuteilen. Auch wenn man es nicht unbedingt an Äußerlichkeiten festmachen kann, so ist diese Anstrengung etwas, von dem die Schüler erleben, sicherlich nicht bewusst, aber in ihren Tiefen, dass der Lehrer das für sie getan hat, weil sie ihm wichtig sind. Und vielleicht ist es so, dass sie diese – im Grunde selbstverständliche - Willenstätigkeit des Lehrers besonders deutlich dann vermissen, wenn sie es gar nicht gewohnt sind, andere, als von ihm selbst formulierte Texte zu erhalten, selbst wenn diese nicht „perfekt“ sind.
Ich beschloss jedenfalls für diese Fälle die KI nicht mehr zu benutzen.
Antje Bek
Anmerkungen
1 Verschiedene Beiträge findet man auf dem Blog: erwachsen-und-werden.de/themen/categories/medien


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